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02.12.2019

Vienna Club Commission - Nachtwirtschaft oder Clubkultur?

Nach über zwei Jahren der Diskussionen rund um freie Veranstalter*innen, die Wiener Clubszene und das Konzept “Nachtbürgermeister”, in denen sich die IG Kultur Wien laufend eingebracht hat, ist es nun sicher: Die Stadt Wien nimmt 290.000Euro für einen Organisationsentwicklungsprozess einer sogenannten “Vienna Club Commission” in die Hand, welcher über einen breiten Beteiligungsprozess abgewickelt werden soll.
Christopher Glanzl - DJ Booth

Als Interessenvertretung und Servicestelle vieler betroffener Mitglieder begrüßt die IG Kultur Wien diesen Schritt, den wir bereits im Sommer 2018 als Empfehlung auf den Tisch gelegt haben. So stehen nun dringend nötige Ressourcen zur Verfügung, um eine durchaus komplexe Materie eingehend unter die Lupe zu nehmen.

Was allerdings noch nicht klar ist, ist wohin die Reise geht:
Während mit “Kunst und Kultur und nicht Caipirinha” ein klarer Kulturfokus herausgestrichen werden soll, betreffen viele Probleme wie Lärmbeschwerden und Nachbarschaftsprobleme auch Bars und Restaurants und sind somit tendenziell dem größeren Feld der Nachtwirtschaft zuzuordnen.

Die kürzlich veröffentlichten Stellungnahmen zur Petition „Nachtbürgermeister Wien“ im Wiener Gemeinderat zeigen eine Tendenz in Richtung Ausbau bestehender Servicestellen. So sieht beispielsweise die Wirtschaftskammer Wien keinen Bedarf für das Aufsetzen “völlig neuer Strukturen”, weil sie darin das Risiko “bürokratischer Parallelstrukturen” befürchtet. In zahlreichen Medien ist jedoch immer wieder von “der Stelle” die Rede.

Walter Gössinger, Vorstandsmitglied der IG Kultur Wien meint dazu: „Dass diese sogenannte Club Commission die zahlreichen Stakeholder, insbesondere auch die involvierten Stellen der Stadtverwaltung an einen Tisch bringen soll, ist sinnvoll und notwendig. Wie sie es allerdings schafft bestehende Service- und Beratungsstellen wie das Kulturinfoservice der IG Kultur Wien einzubeziehen, ohne befürchtete Parallel- oder im schlimmsten Fall sogar Konkurrenzstrukturen aufzubauen, bleibt abzuwarten.“

Die von der IG Kultur Wien bevorzugte Variante wäre daher eine Stärkung auf zwei Ebenen:
Einerseits Beratungen zu kulturraum- und veranstaltungsbezogenen Themen über einen Ausbau des Kulturinfoservice zu gewährleisten, dessen Aufgabe u.a. darin besteht Vereine, Veranstaltungskollektive und freie Kulturarbeiter*innen bei ihrer kulturellen Tätigkeit zu unterstützen.  Andererseits eine Art Nachtstadtrat* als notwendiges, übergeordnetes Verhandlungs- und Abstimmungsforum involvierter Stakeholder zu initiieren. Zusammengefasst also eine Rollenverteilung, vergleichbar mit den Rollen von Gewerkschaft und Sozialpartnerschaft.

Wir sind auf jeden Fall gerne bereit in diesem Entwicklungsprozess mitzuwirken, unsere Expertise einzubringen und uns für die bestmögliche Lösung im Sinne der freien Wiener Kulturszene einzusetzen.

 

 

Foto: Christopher Glanzl