Klassismus im Kunst- und Kulturbetrieb
Klassenverhältnisse im Kunst- und Kulturbetrieb sichtbar zu machen, sie aufzubrechen und Veränderungen herbeizuführen, ist ein Schwerpunkt, den sich die IG Kultur Wien für die kommende Zeit gesetzt hat.
Dazu finden in unregelmäßigem Abstand Workshops und Klassismus-Stammtische statt.
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Klassismus-Stammtisch und Workshops
Derzeit ist noch kein weiterer Stammtisch geplant.
Am 3. Juli 2024 fand ein erster Workshop und Stammtisch im Flucc statt. Da haben wir uns mit klassistischen Einlassungen in der Kulturpolitik, in Förderstrukturen, in der Ausbildung und in der Produktion von Kunst und Kultur auseinandergesetzt. Vor allem haben wir aber darüber diskutiert, was sich ändern muss, damit auch Menschen, die zum Beispiel über wenig finanzielle Ressourcen verfügen, die aus der Arbeiter*innen- oder Armutsklasse kommen, als Kunst- und Kulturarbeitende tätig sein zu können.
Forderungen an die Kulturpolitik sind zum Beispiel:
- eine Umverteilung von Macht in Beiräten und Entscheidungsgremien,
- ein höheres Kulturbudget und dessen Umverteilung oder
- die Überarbeitung der Förderrichtlinien in Hinblick auf Klassismus.
Am 20. November 2024 ging der Klassismus-Stammtisch im Café CI am Yppenplatz in die nächste Runde.
Leider ist die angekündigte Gästin Rosa Reitsamer krank geworden und hat ihre Teilnahme abgesagt. Stattdessen gab es mehr Zeit, um sich auszutauschen und zu vernetzen.
Am 1. Juli 2025 fand im Wiener Flucc wieder ein Klassismus-Stammtisch statt. Als Special Guest war diesmal Rosa Reitsamer eingeladen, Universitätsprofessorin am Institut für Musiksoziologie der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Sie forscht seit vielen Jahren zu Klassismus und Genderfragen, mit Schwerpunkt auf Musik.
In einer lockeren Runde sprachen wir mit ihr und Rainer Prokop, der ebenfalls am Soziologie-Institut der mdw unterrichtet und forscht, über soziale Ungleichheit und Barrieren in den verschiedenen Bereichen der Musik. Dabei wurden Vergleiche zwischen „Hochkultur“ und Popularkultur sowie zu anderen Künsten, wie der Bildenden Kunst, gezogen.
Trotz aller Ernüchterung aufgrund der von Rosa Reitsamer berichteten Forschungsergebnisse wurde gemeinsam über mögliche Strategien nachgedacht, wie der Kulturbetrieb sozial durchlässiger gestaltet werden kann. Es wurden auch Appelle an die Kulturpolitik formuliert. Zudem wurde das Thema Altersdiskriminierung bei Förderungen diskutiert.
Am 12. Dezember 2025 luden Susi Rogenhofer und Gordana Crnko im Namen der AG Klassismus der IG Kultur Wien erneut zum offenen Klassismus-Stammtisch ins Café CI.
Maria Seisenbacher wurde als Expertin eingeladen, um über die Bedeutung von Sprache im Kontext von Klassismus zu sprechen. Maria Seisenbacher hat vergleichende Literaturwissenschaft und Sozialpädagogik studiert. Sie gibt Workshops für Menschen mit und ohne Behinderungen und hält Vorträge sowie Workshops zu politischer Bildung und Leichter Sprache.
In ihrem Input erklärte Maria Seisenbacher den Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache. Leichte Sprache beruht auf einem Regelwerk, das von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt wird. Dabei werden die Texte von Übersetzer*innen in Leichte Sprache übersetzt und anschließend in einer Prüfgruppe diskutiert. Es gibt drei verschiedene Verständlichkeitsstufen, zu vergleichen mit den Sprachniveaus A1 bis B1. Die letzte Stufe entspricht dann der Einfachen Sprache, die nicht mehr auf dem festen Regelwerk basiert. Anhand von aktuellen Projekten erzählte Maria Seisenbacher über ihre Arbeit als Übersetzerin, in der beispielsweise auch die Gestaltung von Grafiken miteinbezogen wird.
Gemeinsam diskutierten wir über Sprache als Ausschlussmechanismus und inwiefern wir dies in unser Auseinandersetzung mit Klassismus im Kulturbetrieb mitdenken müssen. Dabei ging auch die Entscheidung hervor, den Begriff ,Klassismus’ in zumindest Einfache Sprache zu übersetzen. Schließlich steht hinter dem Begriff ein umfassendes Konzept, das durch die Übersetzung in Einfache Sprache für alle verständlicher werden kann und somit hoffentlich noch mehr Personen zur Diskussion einlädt.
Weiterlesen und -hören
Interview:
Klassismus war bereits Thema im Rahmenprogramm des Preises der freien Szene 2023. Im Katalog zum Preis gab es dazu ein
►Interview mit Betina Aumair und Julischka Stengele zum Thema „Förderungen auf klassenbezogene Ausschlüsse prüfen!“ zu lesen.
Podiumsdiskussion im Radio:
►Klasse haben: über Klassismus im Kulturbetrieb sprechen
Aufzeichnung der Podiumsdiskussion „Klasse haben: über Klassismus im Kulturbetrieb sprechen“ bei der Verleihung des Preises der freien Szene Wiens am 19.10.2023.
Viele Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen können von der Kunst nicht leben. Wer hat ein finanzielles Polster oder kann auf Zuschüsse der Familie hoffen? Wer fühlt sich in Konzertsaal und Galerie wie zu Hause? Wer muss Lohnarbeit und Kulturarbeit unter einen Hut bringen? Zu diesen Fragen diskutierten Betina Aumair (Literaturwissenschafterin, Autorin), Araba Johnston-Arthur (Sozialwissenschafterin, Kulturarbeiterin) und Susi Rogenhofer (IG Kultur Wien) moderiert von Ivana Pilić (D/Arts).
Buchtipp:
Betina Aumair, Brigitte Theißl: Klassenreise. Wie die soziale Herkunft unser Leben prägt.
►Informationen zum Buch und zu den Autorinnen
►Bestellmöglichkeit im Shop des ÖGB-Verlags
